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Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe: Pflegekräfte am Limit Johann „Hans“ Rusznak ist seit 17 Jahren mobiler Pfleger

Pflege: ein fordernder Beruf

Beschäftigte im Pflegebereich arbeiten schon jetzt oft an ihrer Belastungsgrenze

Mehr als fünf Prozent aller Menschen in Österreich sind pflegebedürftig – Tendenz steigend. Denn bereits jetzt sind über 430.000 Personen 80 Jahre alt oder älter. In zehn Jahren werden mehr als 600.000 ÖsterreicherInnen dieses Alter erreichen. Neben der anhaltenden Alterung der Bevölkerung macht auch der Mangel an Pflegekräften die Pflege zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft.

Arbeiten am Limit

Einer, der die Branche aus nächster Nähe kennt, ist Johann Rusznak aus Hohenau im nordöstlichen Niederösterreich. „Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Junge Menschen interessieren sich kaum für den Beruf“, erzählt er. Unregelmäßige Arbeitszeiten mit geteilten Diensten und Wochenenddiensten, instabile Dienstpläne, wenig Freizeit und schlechte Bezahlung würden den Beruf für viele unattraktiv machen. Außerdem sei der Job in den letzten Jahren schwieriger geworden, ergänzt Rusznak wehmütig: Digitale Dienstpläne dokumentieren jede Minute der Arbeitszeit, Pausen sind kaum möglich, die Zeit ist immer knapp und die soziale Komponente, die den meisten KundInnen sehr wichtig ist, kommt oft zu kurz. „Die Beschäftigten sind ausgebrannt und am Rande ihrer Belastbarkeit.“

„Man muss mit dem Herzen dabei sein“

Bereits vor 20 Jahren hat Rusznak einen Beruf ergriffen, der auch noch heute als klassischer Frauenberuf gilt. Seit 17 Jahren ist er mobiler Pfleger – aus Leidenschaft, wie er selbst sagt. Davor war er drei Jahre lang in einem Pflegeheim beschäftigt. „Es ist ein fordernder und intensiver Beruf, der mich oft berührt. Aber man kriegt von den Menschen viel zurück, die man oft jahrelang betreut. Man muss mit dem Herzen dabei sein, sonst ist man nicht richtig in dem Job“, erzählt der Niederösterreicher. Dabei betont er die Vielfältigkeit, die der Beruf mit sich bringt. Jeden Tag ist Kreativität gefragt, um gemeinsam mit den Angehörigen, den ÄrztInnen und den KollegInnen die KundInnen bestmöglich in ihrem Alltag zu unterstützen.

Johann „Hans“ Rusznak ist seit 17 Jahren mobiler Pfleger

Aktuelle Auswertungen zeigen, dass 80 Prozent der Beschäftigten in der mobilen Pflege Frauen sind. Auch in Rusznaks Team, das aus 40 Personen besteht, gibt es nur zwei Männer. Nichtsdestotrotz ist für ihn persönlich die Pflege kein reiner Frauenberuf – gerade weil die physischen Anforderungen enorm sind. Außerdem freuen sich auch die KundInnen über die Abwechslung, wenn ein männlicher Pfleger vorbeikommt. Anfängliche Hemmungen gibt es selten, und wenn doch, sind sie meist schnell verflogen.

Pflege: ein Knochenjob

Knapp 66.000 Personen sind bei Pflegediensten und in Pflegeheimen beschäftigt (Stand 2017). Tagtäglich leisten sie enorm anstrengende Arbeit, sehr oft unter schwierigsten Bedingungen. Ein Großteil arbeitet in Teilzeit, weil sie diesen psychischen und physischen Belastungen keine 40 Stunden standhalten können. Neben den schwierigen Arbeitsbedingungen ist auch die Entlohnung ein großes Thema. ÖGB und Gewerkschaften weisen schon jahrelang auf das Problem hin. Gefordert werden unter anderem 20 Prozent mehr Personal, eine strukturelle Verbesserung der Arbeitszeiten und der Entlohnung sowie eine intensivere Ausbildung. Das würde dazu führen, dass der Pflegeberuf gerade auch für junge Menschen wieder attraktiver wird.

Pflegende Angehörige entlasten

Außerdem braucht es dringend einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und -teilzeit, fordert Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende, im Gespräch mit der „Solidarität“. Denn in Österreich wird nach wie vor gut die Hälfte aller Pflegebedürftigen von Angehörigen zu Hause versorgt. Für viele Familienangehörige ist die Situation in zweifacher Hinsicht besonders belastend: Einerseits sind sie selbst noch berufstätig und andererseits kann die Pflege von nahen Angehörigen emotional sehr aufreibend sein. „Es ist nicht einfach, Job und Pflegebetreuung unter einen Hut zu bringen. Es ist höchste Zeit, dass Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, genauso wie jene, die im Pflegebereich arbeiten, entlastet werden“, so Schumann.

Pflegereform – aber wie?

Um den Pflegebedarf decken zu können, werden bis zum Jahr 2025 rund 25.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Aktuell beginnen zwar viele Jugendliche eine Pflegeausbildung oder machen ein Praktikum in diesem Bereich, entscheiden sich aber dann doch für einen anderen Weg. Oder sie beginnen den Job, wechseln aber kurze Zeit später in einen anderen Bereich, weiß auch der diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger Rusznak. Die österreichische Bundesregierung hat Ende 2018 angekündigt, die Pflege reformieren zu wollen, neben einigen wenigen Eckpunkten hat sie jedoch nicht viel Konkretes vorgelegt. Offen ist auch noch, ob die Pflegekosten künftig über Steuermittel oder eine Pflegeversicherung finanziert werden sollen.

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