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"Finanziell schlecht gestellt"

Ada Pochmann vom Verein „Frauenzentrum St. Pölten“ im Interview

Die Gewalt an Frauen nimmt nicht ab. Jede fünfte Frau in Österreich ist täglich sexueller oder/und körperlicher Gewalt ausgesetzt. oegb.at hat mit Ada Pochmann, der Leiterin des Vereins Frauenzentrum St. Pölten, über ihre Arbeit, die Anliegen der Frauen und die Kürzungspläne der Regierung im Frauenbereich gesprochen.  

oegb.at: Warum sind Frauenberatungsstellen notwendig?

Ada Pochmann: Weil die Gleichberechtigung von Frau und Mann zwar im Gesetz verankert ist, aber die Gleichstellung noch längst nicht gegeben ist. Weil Frauen auch heute noch sehr häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind. Der Fortschritt der Gleichstellung der Geschlechter in einer Gesellschaft misst sich unter anderem an der Selbstermächtigung, Empowerment, von Frauen und Mädchen. Das wird durch unsere Arbeit unterstützt und gefördert.

oegb.at: Mit welchen Problemen und Sorgen wenden sich Frauen am häufigsten an Sie?

Pochmann: Pro Jahr erreichen uns rund 900 Anfragen. Diese reichen von Beziehungsproblemen, wie Trennung und Scheidung, und Gesundheit, wie etwa Depressionen und Angststörungen, bis hin zu Gewalt – sei es körperliche, seelische, sexuelle oder häusliche. Kontaktiert werden wir auch bei persönlichen Krisen wie etwa Einsamkeit oder Selbstwertprobleme. Und viele wenden sich an uns, weil sie arbeitslos sind, finanzielle Probleme haben und sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können.

oegb.at: Das Förderbudget des Frauenministeriums wurde gekürzt. Ist Ihre Beratungsstelle davon betroffen?

Pochmann: Unsere Beratungsstelle ist seit zehn Jahren, also seit ihrem Bestehen, finanziell schlecht gestellt. Keine unserer Fachfrauen ist vollzeitbeschäftigt und das bedeutet, dass wir viel weniger Menschen in Notsituationen beraten und unterstützen können. Außerdem arbeiten wir unter sehr prekären und unsicheren Arbeitsbedingungen, weil die Finanzierung jedes Jahr beantragt und genehmigt werden muss. Es ist noch ungewiss, mit welchen Kürzungen wir im kommenden Jahr rechnen müssen. Da wir auch eine Familienberatungsstelle sind, wurden die Mittel für diesen Zweig heuer um fünf Prozent gekürzt. Es gibt Verhandlungen, die besagen, dass diese Kürzung wieder zurückgenommen wird. Aber das ist auch ungewiss.

oegb.at: Woran müsste die Gesellschaft arbeiten und was müssten gerade auch Männer, besonders im Hinblick ihres Umgangs mit Frauen, ändern?

Pochmann: Wenn die Gesellschaft dafür sorgt, dass Frauen tatsächlich gleichgestellt sind, und zwar in allen Bereichen - sei es Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Hausarbeit, Kinderbetreuung oder politische Arbeit - dann ändert sich automatisch der Umgang miteinander. Da haben wir aber noch einen langen Weg vor uns.

Mehr Informationen:
Verein Frauenzentrum St. Pölten

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