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„Arbeitsboykott“

Mühlviertler Firma gibt Fehler zu und entschuldigt sich

Die Meldung Mitte Februar, wonach zwölf MitarbeiterInnen gleichzeitig Krankenstand angemeldet und vorgetäuscht haben sollen, hat hohe Wellen geschlagen. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich sprach von Absprachen und Krankenstandsmissbrauch aufgrund angeordneter Überstunden. Die Firma hätte zehn MitarbeiterInnen gekündigt, zwei hätten die Firma von sich aus verlassen.

Beschäftigte wiederum meldeten zeitgleich miese Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten. Nun hat die Firma technosert letzte Woche die Vorwürfe zurückgenommen.

Fakten wurden nicht geprüft

Das Mühlviertler Unternehmen hat sich öffentlich bei ihren ehemaligen MitarbeiterInnen entschuldigt. Es habe sich um keinen „Arbeitsboykott“ gehandelt und niemand hat einen Krankenstand vorgetäuscht. Man habe es unterlassen, die Fakten, mit denen die Wirtschaftskammer an die Öffentlichkeit ging, einer Detailprüfung zu unterziehen, heißt es seitens des Unternehmens. Dieses übernehme die Verantwortung dafür und entschuldige sich bei allen Betroffenen, die dadurch direkt und indirekt in Misskredit geraten sind.

Schlechte Arbeitsbedingungen weist technosert zurück

Am Montag letzter Woche hatte Firmengründer Johannes Gschwandtner in den Oberösterreichischen Nachrichten die Zahl der Kündigungen zurechtgerückt: Es habe nur fünf durch den Dienstgeber gegeben, der Rest der zwölf Mitarbeiter habe das Unternehmen von sich aus oder im Einvernehmen verlassen. „Da habe ich zu wenig genau die Unterlagen angeschaut", wird Gschwandtner zitiert. Die Vorwürfe ehemaliger MitarbeiterInnen, dass das Klima schlecht, der Druck hoch und Arbeitszeitüberschreitungen verlangt worden seien, weisen Gschwandtner und sein Geschäftsführer Hermann Schübl zurück.

Krankenstandstage rückläufig

Der Vorwurf des abgesprochenen Krankenstandes nach angeordneten Überstunden, den die Wirtschaftskammer erhoben hatte, wird nun zurückgezogen. Es wird aber beteuert, dass sie sich den Fall sehr genau angesehen haben und Verdachtsmomente gegeben waren.
Entgegen der oftmaligen Behauptungen seitens der Wirtschaft, dass viele ArbeitnehemerInnen „Tachinierer“ wären, sagt die Statistik, dass Krankenstandstage in Österreich seit 1980 rückläufig sind. In Zeiten, wo die Grippewelle auf ihrem Höchststand ist, ist es nicht ungewöhnlich, wenn mehrere MitarbeiterInnen zur selben Zeit erkranken. Das WIFO erhebt regelmäßig Daten, wie viele ArbeitnehmerInnen jährlich wie lange im Krankenstand sind. Während im Jahr 1990 pro Kopf noch 15,2 Krankenstandstage anfielen, waren es 2016 nur mehr 12,5 Tage.

Krank in die Arbeit

Wie sich Krankenstände entwickeln, sind ein wichtiger gesundheitspolitischer Indikator und spiegelt nicht immer, wie gesund ArbeitnehmerInnen sind. Rund 35 Prozent der ArbeitnehmerInnen in Österreich geht krank in die Arbeit (Präsentismus), was sich zwar positiv auf die Krankenstandstatistik auswirkt, nicht aber auf die ArbeitnehmerInnen selbst. Die meisten machen das aus Pflichtgefühl gegenüber dem Team (58 Prozent), weil es keine Vertretung gibt (35 Prozent) oder aus Angst vor Konsequenzen (18 Prozent), wie Kündigung, wenn sie nicht zur Arbeit kommen, so das Ergebnis des Arbeitsgesundheitsmonitors der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2016. Das Problem dabei ist, dass kranke MitarbeiterInnen nicht nur sich selbst gefährden, weil sie die Krankheit verschleppen. Sie stecken auch KollegInnen an, sind weniger produktiv und treffen krankheitsbedingt vielleicht sogar teure Fehlentscheidungen oder verursachen Unfälle.

Für die AK ist der Fall nicht vom Tisch

Auch wenn der Vorwurf rund um den vermeintlichen „Arbeitsboykott“ und der abgesprochenen Krankenstände aufgeklärt wurde, gilt es die bekanntgewordenen Missstände in der Firma technosert, wie die angeblich erzwungene Manipulation der Arbeitszeitaufzeichnung, aufzuklären. "Im Zuge dieses Schlamassels haben mehrere Mitarbeiter eklatante Missstände in dem Unternehmen aufgezeigt. Diese gehören nun umgehend behoben", sagt Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Nicht nur Viren und Bakterien machen MitarbeiterInnen krank, auch eine schlechte Arbeitsumgebung sowie unbegründete und falsche Vorwürfe wirken sich auf die Gesundheit der MitarbeiterInnen aus.

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