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ÖBB setzt auf Diversität bei den MitarbeiterInnen

Mit gemischten Teams lässt sich besser und erfolgreicher arbeiten

Diversity-Managerin Traude Kogoj und Gewerkschafter Peter Traschkowitsch sind ein eingespieltes Team
Diversity-Managerin Traude Kogoj und Gewerkschafter Peter Traschkowitsch sind ein eingespieltes Team

„Es war einfach eine Riesenüberraschung, die wir erlebt haben“, ist Peter Traschkowitsch heute noch begeistert von der ersten Aktion, die er damals mit der neu bestellten Diversity-Managerin Traude Kogoj erlebt hat. Im Frühjahr 2012 machten sie sich gemeinsam auf den Weg in die ÖBB-Lehrwerkstätte in Floridsdorf, um die Lehrlinge und AusbildnerInnen dafür zu gewinnen bei der Regenbogenparade mit einem eigenen ÖBB-Wagen teilzunehmen. Eingestellt waren sie auf harte Überzeugungsarbeit, doch dann war alles ganz anders.

Sie rannten im sprichwörtlichen Sinne sowohl bei den Lehrlingen als auch bei den AusbildnerInnen offene Türen ein. Schnell war ein eigenes Projekt entworfen, vom Management unterstützt, und bei der sommerlichen Regenbogenparade rollte erstmals ein eigener ÖBB-Wagen mit. Der Wagen wurde von Jahr zu Jahr größer und das Mitmachen ist heute schon Tradition.

Diversity ist überall

Der erfolgreiche Beginn der Diversity-Arbeit bei den ÖBB führte dazu, dass einerseits der sogenannte Paarlauf, so Kogoj, mit der Personalvertretung nicht nur Unternehmenskultur geworden ist, sondern es dafür auch schon einige Auszeichnungen gab. „In die Diversity-Aktivitäten ist die gesamte Belegschaftsvertretung eingebunden“, erzählt Traschkowitsch. Es gäbe immer wieder Schulungen, und die BetriebsrätInnen sind häufig die ersten Ansprechpersonen.

Der Gewerkschafter Peter Traschkowitsch sagt: "So bunt wie die Gesellschaft ist auch die Belegschaft."

Diversity hat inzwischen das ganze Unternehmen ergriffen. So erzählt Kogoj von einer Kollegin im Qualitätsmanagement, die eine sehr starke Seheinschränkung hat: „Sie bringt ihre Fähigkeiten ein, um eine App im Ticketshop so zu verbessern, damit Menschen, die auch nicht gut sehen, aber mit uns reisen wollen, sich leichter tun.“

Austausch zwischen Jung und Alt

Ein anderes Beispiel ist das Generationenmanagement. „Es gibt in unserem Unternehmen MitarbeiterInnen, die sehr genau wissen, wie man bestimmte Tätigkeiten richtig macht, worauf es ankommt, wenn ein Projekt umgesetzt werden muss, mit wem man reden muss, damit ein Projekt bestmöglich über die Bühne geht“, sagt Kogoj. „Es geht darum, diese Erfahrungen rechtzeitig weiterzugeben, und damit nicht bis drei Tage vor der Pension zu warten.“

Die ÖBB hätten ein System etabliert, in dem junge Leute, die sich mit den neuen Technologien bestens auskennen, ihre Fähigkeit älteren KollegInnen anbieten und im Gegenzug wichtige Tipps für die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts bekommen. Dabei gehe es auch um die Weitergabe der Unternehmenskultur – das sei „angewandte Diversity-Arbeit“, so Kogoj.

2018 wurde Traude Kogoj mit dem Käthe Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ausgezeichnet.

Interkultureller Dialog und Frauenförderung

Ein wesentlicher Bestandteil ist auch der interkulturelle Dialog. Grundprinzip dabei ist, dass sich die verschiedensten Menschen untereinander kennenlernen und sich austauschen – mit dem Ziel, dass „es am Ende keinen Unterschied mehr macht, von wo wer herkommt.“ Das werde gerade vom Management sehr unterstützt, darauf lege man Wert.

"Wir sind auf einem sehr guten Weg zu einem offenen Klima, in dem sich niemand wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss." Traude Kogoj, Diversity Managerin

Ein wichtiger Teil ist auch die Arbeit mit dem Thema der sexuellen Orientierung. „Hier habe ich schon früh in Peter Traschkowitsch einen kongenialen Mitstreiter gefunden“, erzählt Kogoj. „Ich denke, auch hier sind wir auf einem guten Wege zu einem sehr offenen Klima, in dem sich niemand wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss.“

In der „Diversity Charta 2023“ setzen sich die ÖBB unter anderem zum Ziel, den Frauenanteil im Gesamtkonzern auf 16,3 Prozent anzuheben. Einen 20-prozentigen Frauenanteil soll es sowohl bei Neuaufnahmen als auch Neubesetzungen von Führungspositionen geben.

Zu den Personen

Traude Kogoj hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert, war dann unter anderem Journalistin bei Ö1, Sachbuchautorin und im Kulturmanagement tätig. Seit 2011 ist sie Diversity-Managerin bei den ÖBB. Sie wurde inzwischen vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Käthe Leichter-Staatspreis.

Peter Traschkowitsch ist in der Gewerkschaft vida zuständig für das Thema „Gewalt am Arbeitsplatz“ und Diversität. Bei den ÖBB ist er Behindertenvertrauensperson und Gleichstellungsbeauftragter für die Region Wien.

Definition: Diversity
Der Diversity-Ansatz zielt darauf ab, in einer Gesellschaft Inklusion herzustellen, also die Grundlage zu legen, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Er geht davon aus, dass gemischte Teams, zum Beispiel von Älteren und Jüngeren, Frauen und Männern, Menschen mit und ohne Behinderungen und aus unterschiedlichen Kulturen zu einem besseren Verständnis füreinander und insgesamt zu besseren Ergebnissen kommen.

Mehr Informationen:
Berufung: Diversity Managerin

 

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