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"Auch wir haben uns homophob beschimpft"

Ex-Profi Oliver Prudlo erzählt, wie früher mit Homosexualität umgegangen wurde und was er sich für die Zukunft wünscht

Der ehemalige Profi-Kicker Oliver Prudlo ist stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Fußballer, kurz VdF. Als Fußballergewerkschaft vertritt die VdF die Interessen aller in Österreich tätigen Amateur- und Profifußballer. Im Interview mit oegb.at erzählt er, wie sich der Umgang mit Homosexualität seit seiner Zeit als Profi, unter anderem beim Wiener Sportclub und beim FC Tirol, gewandelt hat.

oegb.at: Vor wenigen Monaten haben ÖFB und Bundesliga eine Ombudsstelle eingerichtet, an die sich alle Menschen im Fußball wenden können, die aufgrund ihrer Sexualität diskriminiert werden. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen der Ombudsstelle und der VdF?

Oliver Prudlo: Wir wurden schon im Zuge der Gründung kontaktiert und haben uns dann auch getroffen. Wir haben die Einrichtung der Stelle natürlich begrüßt und gesagt: Wenn ein Spieler zu uns kommt und sagt, er braucht einen Ansprechpartner, er braucht Beratung, dann würden wir ihn an die neue Ombudsstelle weiterleiten. Wir haben auch Flyer verteilt, damit die Spieler wissen, dass es diese Stelle gibt. Bisher ist diesbezüglich allerdings noch kein Spieler an uns herangetreten.

Was kann die Gewerkschaft machen, um gegen Homophobie vorzugehen?

Prudlo: Wir können natürlich öffentlich auftreten und unsere Meinung dazu sagen. Wir würden uns auf jeden Fall auch einsetzen, wenn ein Spieler zu uns kommen und erzählen würde, dass es homophobe Äußerungen oder Sprechchöre am Platz gegeben hat. Heute wird aber auch von der Bundesliga einiges in diese Richtung getan.

War das in deiner Zeit als Profi anders?

Prudlo: Ja, ganz klar. Es gibt heute ganz ein anderes Verständnis als noch zu meiner Zeit. Meine Karriere hat 1987 begonnen und bis 2002 gedauert. Damals war das überhaupt kein Thema. Niemand hat darüber nachgedacht, dass ein Fußballer homosexuell sein könnte. Du hast dich beim Spiel oder auch beim Training auch gegenseitig beschimpft, da waren auch homophobe Beschimpfungen dabei – einfach geistlos hingeworfen. Was man damit bei einem Menschen, der homosexuell ist, anrichtet – dafür hat keiner einen Kopf gehabt. Da gibt es heute schon ein anderes Bewusstsein – in der Gesellschaft und auch im Fußball. Heute geht man mit dem Thema schon viel offener um, es wird darüber geredet. Da hat sich schon etwas entwickelt.

Deiner Meinung nach wäre es also heute leichter, sich als schwul zu outen, als es früher war?

Prudlo: Das Wort „leicht“ würde ich in dem Zusammenhang nicht verwenden. Aber ich glaube, es wäre schon eher möglich als früher. In Deutschland hat sich ja, nach dem Ende seiner Karriere, Thomas Hitzlsperger geoutet – da habe ich nicht das Gefühl, dass es ihm geschadet hätte. Überhaupt nicht. Es ist aber sicher nach wie vor ein Unterschied, ob du aktiver Spieler oder zurückgetreten bist. Schön wäre ja, wenn es irgendwann soweit käme, dass es gar kein Thema mehr ist. Dass sich gar niemand mehr outen muss. Dass ein Spieler einfach mit seinem Lebensgefährten daherkommt und es ist alles klar. Es ist einfach normal. Das wäre schön. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Wie kommen wir deiner Meinung nach dorthin?

Prudlo: Indem wir es immer wieder thematisieren, Bewusstsein schaffen, die Leute zum Nachdenken bringen. Auf Knopfdruck wird es keine Lösung geben. Das muss man, glaub ich, beharrlich immer wieder ansprechen. Und man muss sich zu Wort melden, wenn man erfährt, dass Spieler beschimpft worden sind – überhaupt immer, wenn es homophobe Äußerungen auf Fußballplätzen gibt.

Die Vereinigung der Fußballer (VdF) wurde 1988 unter anderem von Herbert Prohaska, Heribert Weber und dem damaligen ÖGB-Präsidenten Anton Benya gegründet. Aktueller Vertreter der Bundesliga-Spieler ist Christopher Dibon vom SK Rapid, die Spieler des Nationalteams werden von Christian Fuchs vertreten.

Mehr Informationen:
Die Vereinigung der Fußballer - VdF
Der einzige offen schwule Fußballer Österreichs
Schnaderbeck fordert Fußballer auf, sich zu outen
"Ich hoffe, dass dies bald kein Thema mehr ist"
 

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