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Schnaderbeck fordert Fußballer auf, sich zu outen

"Es ist wichtig, dass Spieler oder Spielergruppen vorangehen"

ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck bezieht klar Stellung gegen Diskriminierung

Vor kurzem hat sich ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck öffentlich zur Liebe zu ihrer Freundin Anna bekannt. Im oegb.at-Interview erklärt sie die strukturellen Hintergründe und sagt, was getan werden muss, um wirksam gegen Diskriminierung vorzugehen.

oegb.at: Wie erklären Sie sich, dass es im Frauenfußball kein Problem ist, wenn Stars wie Megan Rapinoe die Liebe zu ihrer gleichgeschlechtlichen Partnerin offen zeigen, während Homosexualität im Männerfußball offensichtlich immer noch absolut tabu ist?

Viktoria Schnaderbeck: Das ist eine sehr komplexe Frage. Es hat wahrscheinlich mehrere Gründe: Im Frauenfußball haben sich in der Vergangenheit immer wieder weibliche Stars öffentlich mit ihrer Partnerin gezeigt oder sich geoutet. Damit hängt zusammen, dass dieses Thema im Männerfußball noch stärker tabuisiert wird als im Frauenfußball. Im Männerfußball hat es diese Beispiele in Vergangenheit leider noch nicht gegeben. Vermutlich ist die Fankultur hinsichtlich Homosexualität im Männerfußball verglichen mit dem Frauenfußball auch nicht so tolerant.

Sie spielten lange Zeit bei Bayern München, seit Sommer 2018 sind Sie nun beim FC Arsenal unter Vertrag. Wie haben Sie den Umgang mit Homosexualität in diesen höchsten Ligen Deutschlands und Englands erlebt?

Schnaderbeck: In Deutschland hat sich in den letzten Jahren nach meinem Empfinden der Umgang mit Homosexualität stark verbessert. Man geht viel offener damit um. In England sind alle Vereine – egal ob Männer oder Frauen – sehr stark daran interessiert, einen positiven Beitrag zu leisten, um den Umgang mit Homosexualität zu verbessern. Egal ob Trikots, Schuhbänder, Kampagnen oder Markenauftritte in Regenbogenfarben – hier in England wird dieses Thema sehr stark und positiv gelebt. Das ist deutlich sichtbar und spürbar.

Was hindert Ihrer Meinung nach homosexuelle Spielerinnen und Spieler an einem Coming-out?

Schnaderbeck: Die Angst ist größer als der Mut.

"Es ist wichtig, dass es Spieler und Spielergruppen gibt, die sich outen und vorangehen und damit ein Vorbild für viele sind."

Im Männerfußball wird immer wieder von homophoben Sprechgesängen und Beschimpfungen von Spielern berichtet. Erleben auch Sie solche Entgleisungen oder geht es im Frauenfußball weniger diskriminierend zu?

Schnaderbeck: Ich persönlich habe noch nie Erfahrung mit homophonen Fans gemacht. Meine Meinung ist jedenfalls, dass Homophobie – genauso wie Rassismus – keine Berechtigung im Fußball und Sport haben. Es soll Strafen dafür geben. Ich glaube, wir können uns in der heutigen Zeit und Gesellschaft solche Diskriminierungen nicht mehr leisten.

Welche Schritte müssen Ihrer Meinung nach im Fußball gesetzt werden, um Homophobie erfolgreich zu bekämpfen?

Schnaderbeck: Einerseits ist es wichtig, dieses Thema aufzubringen. Man darf solche Themen nicht tabuisieren. Das gilt auch für Fans: Sie müssen verstehen, dass Homophobie im Fußball nichts zu suchen hat. Andererseits wäre es enorm wichtig, dass es Spieler oder Spielergruppen gäbe, die sich outen und vorangehen und damit ein Vorbild für viele sein können.

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