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Offener Brief an Vizekanzler Strache

vida zur IV-Willkommenskultur für Fachkräfte

Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, hat heute im Gespräch mit dem „Kurier“ eine „neue Willkommenskultur für Fachkräfte“ in Österreich eingefordert. Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, nimmt dies zum Anlass, von Vizekanzler, FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zuerst konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der hohen heimischen Arbeitslosigkeit zu verlangen. Hebenstreit wundert sich zudem, ob der regionale Einsatz japanischer Sushi-Köche den Fachkräftemangel im Tourismus lindern wird können. Nachfolgend der offene Brief im Wortlaut:    

„Sehr geehrter Herr Vizekanzler Strache,

angesichts der in der Regierung und in deren näheren Umfeld wie Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung geführten öffentlichen Diskussion um die Ausweitung und Regionalisierung der Mangelberufsliste, stelle ich mir die Frage, was der FPÖ der jahrelang von ihr geforderte Schutz der heimischen Arbeitskräfte seit ihrem Regierungseintritt überhaupt noch wert ist?

Trotz der Rückgänge in den letzten Monaten ist die Arbeitslosigkeit in Österreich noch immer auf hohem Niveau. Ich bin der Ansicht, dass die Lösung dieser Frage ein zentrales Anliegen der Bundesregierung sein müsste und nicht, wie Sie im Jänner in einem Interview mit „Profil“ gesagt haben, ob man einen Sushi-Koch aus Japan, mit der Regionalisierung der Mangelberufsliste zukünftig besser in Österreich vermitteln kann. Auch das Auf-Eis-legen der Aktion 20.000 für ältere Arbeitslose durch die Bundesregierung wird die Situation der heimischen Arbeitslosen garantiert nicht verbessern.

Oftmals hat die FPÖ gegen den Zuzug billiger ausländischer Arbeitskräfte gewettert. Ich frage Sie daher, was Sie und die FPÖ, mittlerweile in Regierungsverantwortung, konkret gegen Lohn- und Sozialdumping zu unternehmen gedenken?

Immerhin hat ihre Partei samt Bundesregierung erkannt, dass der Arbeitsmarkt und seine Belebung zentrale Herausforderungen sind. Wenngleich fast alle Handlungen und Ankündigungen bisher aber genau Gegenteiliges vermuten ließen.

Setzt sich eine Bundesregierung nämlich das Ziel, Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, so muss sie dieses Vorhaben auch konsequent verfolgen. In diesem Zusammenhang weise ich auf das Beispiel der Tourismusbranche hin. Wie Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte, ist die Gewerkschaft vida auch für die rund 200.000 Beschäftigten im heimischen Tourismus zuständig. Die Bundesregierung hat sich seit ihrem Antritt auf die Fahnen geschrieben, sich verstärkt des Fachkräftemangels in einigen Schlüsselbranchen für Österreichs Wirtschaft zu widmen, somit auch im Tourismus.

Obwohl laut AMS rund sieben bis zehn Arbeitssuchende aus Österreich auf eine offene Stelle im Tourismus kommen, gibt es wieder aus zahlreichen Bundesländern Klagen, dass viele Stellen nicht besetzt werden können. Das spricht für sich, wenn die heimische Wirtschaft im gesamten EU-Raum nach Fachkräften für den Tourismus und das Gastgewerbe suchen kann, aber offenbar niemanden findet, der auch in dieser Branche in Österreich arbeiten will.

Wer es nicht schafft, aus dem EU-Arbeitsmarkt mit über 500 Millionen Menschen, Fachkräfte anzuziehen, der hat augenscheinlich ein Problem. Nur faire Arbeitsbedingungen und hochwertige Ausbildung sowie die Einhaltung des ArbeitnehmerInnenschutzes sind der richtige Weg, um dem Fachkräftemangel in Österreich entgegenzuwirken.

Als Gewerkschaft setzen wir uns seit jeher für die Schaffung neuer Lehrberufe und für die Verbesserung der Ausbildung und der Arbeitsbedingungen von heimischen Fachkräften ein. Unser jahrelanger Einsatz für eine Anpassung der Berufsschulzeit für alle Lehrlinge auf 1.260 Ausbildungsstunden ist eine weitere konkrete und erreichte Maßnahme. An dieser Stelle ist auch die Abschaffung der Berufsschul-Internatskosten anzuführen.

Wo bleibt nun aber der konkrete Beitrag der FPÖ in Regierungsverantwortung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und des Fachkräftemangels? Diese Antwort sind Sie sowohl den jungen Menschen, die eine Lehrstelle suchen, wie auch den aktuell rund 380.000 Arbeitslosen in Österreich bisher schuldig geblieben.

Mit freundlichen Grüßen
Roman Hebenstreit
Vorsitzender Gewerkschaft vida"

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